Quizfrage: Welches Bundesland hat die meisten Fährverbindungen? Richtig: Schleswig-Holstein. Zugegeben, das ist nicht die Eine-Million-Euro-Frage, denn bei einem „Land zwischen den Meeren“ verwundert es nicht, dass auch Fähren zum ÖPNV gehören. Damit im Umweltverbund genau diese Schnittstelle zwischen dem Verkehr zu Wasser und zu Lande noch besser funktioniert, stellte die Stadt Kiel gemeinsam mit NAH.SH im vergangenen Sommer das Pilotprojekt „Digitale Fähre“ vor. Dank der Förderung aus Bundesmitteln kann es realisiert und weiterentwickelt werden.
Schnell zum Anleger eilen oder lieber noch gemütlich an der Förde eine Kugel Eis holen? Mit den Echtzeitdaten können alle Fahrgäste rechtzeitig checken, ob die Fähre pünktlich abfährt und wann das nächste Schiff kommt. Im Winter hilft es, wenn es durch Eis oder Sturm zu Behinderungen im Fährverkehr kommt, aber auch während der übrigen Jahreszeiten sind die ÖPNV-Kund*innen bei technischen Störungen oder Verspätungen immer aktuell informiert.
Das innovative Leitsystem vernetzt den Fährverkehr besser, da Kapitän*innen die Positionen und Kapazitäten der Schiffe direkt ins Leitsystem einspeisen. Für die Fahrgäste ist der wichtigste Nutzen, dass die Informationen zu Abfahrts- und Ankunftszeiten der Schiffe in Echtzeit zur Verfügung stehen – und zwar zum einen auf der digitalen Anzeige am Fähranleger selbst, zum anderen über alle gängigen Mobilitäts-Apps, wie zum Beispiel der NAH.SH-App, dem DB Navigator, dem Navigationssystem von Google Maps oder Geofox, dem Fahrgastinformationssystem des Hamburger Verkehrsverbunds HVV.
Künftig wird das System um einen zusätzlichen Nutzen erweitert, wie Fritjov Kinder, Projektleiter der NAH.SH, am Beispiel der Echtzeitanzeiger an der Holtenauer Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) erläutert: „Wir wollen hier neben den Zeiten auch die Auslastung der Fähren anzeigen. Das ist besonders wichtig in den Sommerferien, wenn viele Ausflügler*innen mit Fahrrädern kommen und die Fähre sehr voll ist. Man kann dann auf einem Anzeiger bereits in angemessener Entfernung sehen, ob auf der Fähre noch genug Platz ist, sodass Radreisende rechtzeitig die Tourenplanung anpassen können. Oder man schaut gleich in der App nach.“ Diese Neuerung ist momentan in Arbeit und soll in näherer Zukunft an den Start gehen. Auch die Barrierefreiheit wird weiter ausgebaut durch ergänzende Lautsprecherdurchsagen am Anleger, die Informationen auch für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit verständlich und damit zugänglich machen. Fritjov Kinder hofft, dass das Kieler Pilotprojekt auch in anderen Regionen zum Einsatz kommt, denn: „Das System kann grundsätzlich von allen Fährverkehrsbetrieben in Schleswig-Holstein eingesetzt werden – ob entlang des NOK oder auf der Nordsee.“
„Das System kann grundsätzlich von allen Fährverkehrsbetrieben in Schleswig-Holstein eingesetzt werden.“
Fritjov Kinder, Projektleiter NAH.SH