Gunnar Astrup, 43 Jahre, au s Flensburg

Gunnar Astrup – schon mal gehört? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Antwort auf diese Frage „Ja!“ lautet. Und das aus ganz unterschiedlichen Gründen …

Vielleicht ist es ein anerkennendes „Ja“ aus dem Stammpublikum der Flensburger Hofkultur: Denn 2022 hat Gunnar die Leitung des Sommer-Kultur-Festivals in den historischen Kaufmannshöfen übernommen. Damals war es ein Sprung ins kalte Wasser, inzwischen ist die Flensburger Hofkultur lieb gewonnene Routine für den 43-Jährigen, gut abgemischt mit immer neuen Programmideen: Jan Plewka war schon da, Niels Frevert und Band auch, aber auch aufstrebende Künstler*innen aus der internationalen Musikszene. Genregrenzen gibt es kaum. Ob Jazz, Indie, Weltmusik, Folk oder Pop: Die Vielfalt soll sprechen. In diesem Jahr steigt die Vorfreude unter anderem auf die singende Dichterin Anna Depenbusch, begleitet vom Kaiser Quartett, und auf NDR-Urgestein Peter Urban, der aus seinem Buch „On Air“ liest. Gunnar ist der Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins, bucht auch die Künstler*innen, macht Öffentlichkeitsarbeit, koordiniert die rund 30 ehrenamtlichen Helfer*innen und schnackt mit den Hofbewohner*innen, von denen manch eine*r auch schon Privaträume als Backstage-Bereich zur Verfügung gestellt hat.

Vielleicht ist es auch ein schwärmerisches „Ja“ mit Blick zurück auf die eigene Jugend – und einen inzwischen etwas vergilbten Artikel aus der BRAVO. Denn von 1994 bis 2002 stand Gunnar noch deutlich öfter auf der Bühne: als Keyboarder der Band Echt, zusammen mit Sänger Kim, Bassist Puffi, Schlagzeuger Flo und Gitarrist Kai. Ihre Songs, darunter „Alles wird sich ändern“ und „Du trägst keine Liebe in dir“, wurden im Radio und beim Musiksender VIVA hoch- und runtergespielt und natürlich sorgten die Flensburger Schulfreunde damals nicht nur in ihrer Heimatstadt für kreischende Teenies. 2023 wurde Echt noch einmal in die Nachrichten gespült, nachdem

„Ich war schon immer weit weg vom Bild des wilden Musikers.“

Sänger Kim Frank aus über 240 Stunden privatem Aufnahmematerial eine Doku über die Geschichte der Band zusammengeschnitten hatte. Nach zwei Monaten hatten über zwei Millionen Menschen den Dreiteiler in der ARD Mediathek gesehen. „Früher sah das Leben eines Popstars noch ganz anders aus“, sagt Gunnar rückblickend. „Man kam im Fernsehen, das guckte die ganze Familie, und alle kannten einen, bis zur Oma. Heute ist das Publikum auch durch die sozialen Medien viel enger zugeschnitten.“

Als Echt sich 2002 aufgelöst hatte, klopfte Gunnar bei Radio Hamburg an. Er war neugierig auf die andere Seite – vom Interviewten zum Interviewer. An einen Satz aus seinem Vorstellungsgespräch kann er sich noch gut erinnern. „Drogen und so ist hier aber nicht“, mahnte Radiochef Marzel Becker den ehemaligen Echt-Star. „Dabei war ich schon immer weit weg vom Bild des wilden Musikers. Ich wollte einfach nur einen soliden Job.“ Den kriegte er. Erst als Praktikant, dann als Volontär und schließlich als Musikchef. Deswegen kennen einige den Namen Gunnar Astrup sicher auch im Zusammenhang mit dem Hamburger Indie-Sender 917xfm, den Gunnar aufbauen und musikalisch leiten durfte. Von 2010 bis zur Einstellung der Frequenz 2021 schickte der Flensburger eine Mischung aus Indie Rock, Alternative, Singer-Songwriter, HipHop, Elektro, Jazz und jungen Bands aus der Hamburger Szene über den Äther. „Ich treffe bis heute Menschen, die von dem Programm schwärmen.“

Nach etlichen Jahren in Hamburg wohnt Gunnar seit 2022 wieder in seiner Heimatstadt, zusammen mit seiner Jugendfreundin und heutigen Frau Julia und den gemeinsamen drei Kindern. Gunnar Astrup? Ja, kenne ich. Das ist der „bodenständige Typ aus dem hohen Norden“. So steht es in seiner Kurzbiografie auf der Band-Seite. Und das bleibt er. Auch wenn seine Kinder sagen können: „Ich hab heute meinen Papa im Radio gehört.“

Wer unterstützen oder mithelfen will, findet hier mehr Infos:
www.flensburger-hofkultur.de
www.echtonline.de