Wie Azubis bei nordbahn und KVG durchstarten

Als Fahrgäste in Bahn und Bus vertrauen wir täglich darauf, sicher von A nach B zu gelangen. Doch wem schenken wir dieses Vertrauen eigentlich? Die los! möchte es wissen und lernt einige junge Menschen kennen, die sich in Schleswig-Holstein entschieden haben, für genau diese Sicherheit künftig zu sorgen: die neuen Auszubildenden bei der nordbahn und der KVG Kieler Verkehrsgesellschaft mbH. Dort lernen sie, Züge zu fahren, Busse zu lenken oder sie instand zu halten. Was es für die Fahrt in Richtung Zukunft braucht, welche Herausforderungen sie erwarten und welche Motive bei der Berufswahl eine Rolle gespielt haben – all das haben sie uns bei ihrem Ausbildungsstart in diesem Sommer verraten.

Für Ann-Christin Zeuner, Michaela Heeschenová und Jan Hinrichsen ist heute Tag zwei ihrer Ausbildung. Gestern wurden sie von Geschäftsführer Dr. Karsten Steinhoff bei der nordbahn begrüßt. Auch ihre Familien waren eingeladen, um das berufliche Zuhause der angehenden Eisenbahner*innen für die nächsten drei Ausbildungsjahre kennenzulernen. Sie erwarten uns bereits im Unterrichtsraum, ihre Lokführer*innen-Rucksäcke liegen neben ihnen, ausgestattet mit Warnweste, Taschenlampe und einem Kartenspiel, das dazu dient, die Signale entlang der Strecke zu lernen.

Als die Auszubildenden aus dem zweiten Lehrjahr an der offenen Tür vorbeilaufen, rufen sie den Neulingen freudig zu: „Bis morgen!“ Die Wege sind kurz bei der nordbahn, der Kontakt direkt. Ann-Christin wird bereits am zweiten Tag von allen Anni genannt. „Ich finde, es megacool, hier zu sein. Das ist mein Kindheitstraum seitdem ich auf einer Nikolausfahrt mit der Dampflok gefahren bin. Zunächst habe ich etwas anderes gelernt, aber nur, weil ich schlichtweg zu jung war für den Beruf der Lokführerin“, erzählt sie. Das andere, was sie lernte, überrascht nicht: „Mechatronikerin, direkt am Zug in der Werkstatt. Das ist ein stark nachgefragter Beruf, der auch echt Spaß bringt, aber: Ich musste unbedingt ans Steuer!“

Offiziell heißt ihr Ausbildungsberuf „Eisenbahner*in im Betriebsdienst“. Man lernt ihn von der Pike auf: den Aufbau einer Weiche, die technischen Hintergründe der Züge, was alles beim Rangieren zu beachten ist – und tausend Dinge mehr. Die Abschlussprüfungen sind äußerst umfangreich. Einen Teil nimmt die IHK ab, die Prüfung zum Triebfahrzeugführerschein hingegen gilt es bei der nordbahn direkt zu bestehen. Dort wird von Anfang an nicht nur theoretisch gepaukt. Als Ausbilderin Gianna Mattern ganz nebenbei erwähnt, dass es bereits kommende Woche zur ersten Fahrt in den Führerstand geht, steigt die Vorfreude unter den dreien merklich an. Nur die ersten Tage schauen sie zu, dann dürfen sie selbst ans Steuer – stets mit einer Praxisausbilderin oder einem Praxisausbilder an ihrer Seite. Michaela kann es kaum erwarten: „Ich möchte meinen Zug kennen wie meine Westentasche! Und ich weiß: Das ist sehr umfassend. Du musst ihn von außen kennen, du musst ihn von innen kennen, die ganze Technik dahinter. Ich fand Züge schon immer toll. Als Kind stand ich auf einer Dampflok mit meinem Papa und er sagte: Werde doch Lokführerin, das ist so ein schöner Beruf! Erst habe ich mich dagegen gesträubt, doch irgendwann während der Schulzeit hat es klick gemacht.

Jans Erinnerung an die Schulzeit ist noch ganz frisch. Im Vergleich zu den beiden jungen Frauen Anfang 20 ist er mit seinen 16 Jahren deutlich jünger. „Wenn ich überlege, dass ich vor ein paar Monaten noch in der Schule saß und demnächst Menschen mit dem Zug befördere, ist das schon ein komisches Gefühl“, gibt er zu. Doch seine funkelnden Augen lassen erahnen, wie aufregend diese Aussichten für den Teenager sind. Der Akkuzug, den er steuern wird, wiegt 92 Tonnen ohne Fahrgäste. Trotz des jungen Alters weiß er um die Verantwortung, die sein angestrebter Beruf mit sich bringt. Für ihn bedeutet das: „Nicht nur die Fahrgäste sicher an ihr Ziel zu bringen, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie rechtzeitig zur Arbeit kommen.“

„Ich möchte meinen Zug kennen wie meine Westentasche.“
Michaela Heeschenová, angehende Lokführerin

Es warten so einige Herausforderungen auf Jan, Ann- Christin und Michaela. Dazu gehören auch die unterschiedlichen Schichtzeiten, die nachts und an Sonntagen allerdings zusätzlich vergütet werden. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung wird ihr Einstiegsgrundgehalt nach aktuellem Tarif 3.600 Euro betragen. Zudem verspricht der Beruf Sicherheit in Zeiten der KI: Auf die Frage nach autonom fahrenden Zügen zieht Ausbilderin Gianna Mattern nur gelassen eine Augenbraue hoch: „Unsere Akkuzüge sind erst 2023 in Betrieb gegangen, die Nutzung ist auf 30 Jahre ausgelegt, wir reden hier also vom Jahr 2053, bis sie ersetzt werden.“ Ann-Christin sorgt das Thema KI ohnehin nicht: „Es ist immer leicht zu sagen, dieser oder jener Job werde ersetzt. Doch ich finde, es ist nicht wichtig, was später mal sein wird. Darauf will ich mich gar nicht verlassen. Wir sind im Hier und Jetzt und brauchen Leute als Lokführer*innen!“ Die klaren Haltungen und die spürbare Leidenschaft der Auszubildenden beeindrucken uns. Worauf sie sich am meisten freuen, wollen wir wissen: „Zugfahren. Zugfahren. Zugfahren. Wenn man im Aprilwetter einem Regenbogen entgegenfährt, die Sonnenuntergänge in der Abendschicht sieht oder einfach nur eine gute Aussicht genießt: Da freuen wir uns total drauf!“

Michaela Heeschenová, Ann-Christin Zeuner und Jan Hinrichsen starten voller Motivation in ihre Ausbildung bei der nordbahn (oben links, v. l. n. r.). Das freut auch Ausbilder Dominik Struck (unten rechts).

Die KVG Kieler Verkehrsgesellschaft mbH, kurz KVG, begrüßt in diesem Jahr sieben Azubis neu an Bord. Drei von ihnen lassen sich zur „Fachkraft im Fahrbetrieb“ ausbilden. Jan Beisert ist einer von ihnen, sein Weg scheint vorgezeichnet: „Ich durfte früher immer mal bei meinem Vater mitfahren. Der ist schon für die KVG Bus gefahren. Auch mit anderen Fahrer*innen unterhielt ich mich in deren Pause, einfach, um mehr über den Beruf zu erfahren. Da war schnell klar, wohin der Weg nach der Schule führt.“ Bei Mit-Azubi Denny Gallus war es eine Busfahrerin im Bekanntenkreis, die ihm in der beruflichen Orientierungsphase den Weg zur KVG wies. Die formalen Anforderungen, die die beiden heute Achtzehnjährigen erfüllen mussten: Mindestalter 17 Jahre, ein sehr guter ESA-Abschluss, dazu der Führerschein Klasse B. Letzterer ist die Basis, um später den Busführerschein (Klasse D) absolvieren zu können, der Teil der Ausbildung ist und nicht selbst finanziert werden muss.

Jan Beisert (oben links) an seinem künftigen Arbeitsplatz bei der KVG. Marvin Beyer (unten links) und Jonathan Petsch (rechts) sind fasziniert von der Technik.

Der Dritte im Bunde des ersten Lehrjahres ist Moritz, 21 Jahre alt. Er begann zunächst ein Geografiestudium und entwickelte dabei ein großes Interesse für das Thema Verkehrsmuster, „doch während des Studiums habe ich zunehmend festgestellt, dass die Inhalte sehr theoretisch sind. Die Ausbildung hier bietet mir mehr Praxisnähe, das interessiert mich eher. Zudem gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich denke dabei vor allem an den Bereich der Verkehrsplanung. Da erhalte ich bereits in der Ausbildung Einblicke, zum Beispiel in der Leitstelle.“ Ausbilder Sebastian Hesse nickt zustimmend und fährt fort: „Grundsätzlich werden nahezu alle Abteilungen durchlaufen, angefangen beim Kund*innendialog bis in die Werkstatt, denn wir sprechen hier von einer kaufmännischen Ausbildung. Busfahren ist nur ein Teil davon, auch wenn natürlich der Fokus darauf liegt und wir im Anschluss an die Ausbildung für diese Position auch immer eine Übernahme in die Anstellung anbieten können.“

„Ich hab Bock auf Busse!“
Jonathan Petsch, angehender Mechatroniker

Im zweiten von drei Ausbildungsjahren legen Denny, Jan und Moritz ihre Fahrprüfung ab, von da an dürfen sie selbst ans Lenkrad. Zu Anfang werden sie jedoch nicht gleich auf sich gestellt sein. Erfahrene Busfahrer*innen werden ihnen unterstützend zur Seite sitzen. „Das darf man sich aber nicht vorstellen wie in der Fahrschule“, erläutert Ausbilder Hesse, „da können wir im Zweifel nicht über zusätzliche Pedale eingreifen. Die Auszubildenden fahren das Fahrzeug vollkommen eigenständig.“ Entlohnt werden sie dafür mit etwa 1.200 Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr, dazu kommt ein monatlicher Bonus von je 500 Euro in den ersten drei Monaten. Zum Berufseinstieg erwartet sie später ein Grundgehalt von 3.445 Euro.

„Handwerk ist mein Ding!“
Tami Kattner, angehende Mechatronikerin

Ganz ähnlich verdienen die Azubis in der Werkstatt. Hier treffen wir auf Aleksey Reinhardt, Jonathan Petsch, Marvin Beyer und Tami Kattner. Sie wollen Mechatroniker*innen werden – doch der Weg dorthin ist nicht ganz einfach. Die 237 Busse starke Flotte der KVG besteht nämlich aktuell aus 122 Elektrobussen, 33 Hybridfahrzeugen und 82 Bussen mit Dieselantrieb. Am Ende ihrer Ausbildung in der Regelzeit von dreieinhalb Jahren müssen die vier Sechzehnjährigen alle Fahrzeugarten reparieren können, und zwar mechanisch wie elektronisch. Das heißt unter anderem: Motoren überholen, Bremsen checken, die Computersoftware einstellen. Doch wer sieht, wie selbstverständlich sich die Neuankömmlinge bereits jetzt in der KVG-Werkstatt bewegen, muss sich nicht sorgen. Dass sie sich am richtigen Platz sehen, bestätigt Jonathan nachdrücklich: „Ich hab Bock auf Busse! Klar, der erste Tag war aufregend, ich war angespannt. Aber offen gesagt, konnte ich es kaum erwarten, endlich zu starten. Deshalb fühlt sich das gar nicht wie eine Ausbildung an. Außerdem arbeiten einige Freunde und Familienmitglieder bei der KVG, ich selbst habe ein Praktikum gemacht. Deshalb weiß ich schon einiges über das Arbeiten hier.“

Aleksey Reinhardt

Aleksey hingegen dachte zunächst, er würde wie die meisten seiner Familienmitglieder einmal im Büro arbeiten. Doch seine Azubi-Kollegin Tami wusste, dass ihn das Thema Mechatronik schon länger interessierte. Sie gab ihm den nötigen Schubser in die Werkstatt, indem sie Aleksey schon während der gemeinsamen Schulzeit von der positiven Erfahrung bei der KVG erzählte. „Ich habe viele Praktika gemacht, in der Schiffswerft, bei MAN, hier bei der KVG sogar zwei. Hauptsache große Maschinen! Ich hätte auch Lust, einen Bus zu steuern, nur: Sitzen ist nichts für mich. Handwerk ist mein Ding! Ich möchte mich während der Arbeit bewegen können, mich persönlich mit den Kolleg*innen austauschen. Und da ich das Team hier echt cool fand, bin ich jetzt hier!“ Große Maschinen: Das hört man von den vieren immer wieder. Auch Marvin ist fasziniert davon, „vor allem von der Technik, die dahintersteckt“, wie er sagt. Er wurde durch die Werbeplakate im Bus auf die Ausbildung aufmerksam gemacht, die im Wortlaut „KFZ-Mechatroniker*in mit Schwerpunkt System-Hochvolttechnik“ heißt. Auf dreieinhalb Jahre ist die Ausbildungszeit angelegt, bei außerordentlich guten Leistungen in Theorie und Praxis kann sie um ein halbes Jahr verkürzt werden.

Was bei der KVG und der nordbahn durchgehend alle Azubis mitbringen, ist vor allem eines: richtig Lust, etwas zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Unser Fazit nach einem lebhaften Tag mit dem Nahverkehrsnachwuchs: Die Busse und Züge, die uns in Zukunft ans Ziel bringen, werden in guten Händen sein. Und mit ihnen die Fahrgäste.

Tipp:
Auch Azubis können vom NAH.SH-Jobticket profitieren, ob als bundesweites Deutschland-Jobticket oder als regionales Stadtticket. Der Ausbildungsbetrieb muss nur einen einmaligen Rahmenvertrag mit NAH.SH abschließen – und durch den monatlichen Zuschuss vom Arbeitgeber und einen azusätzlichen Rabatt von NAH.SH sparen alle Beschäftigten mindestens 18,90 Euro pro Monat.

Mehr Infos: www.nah.sh/jobticket