Dina Dittebrandt, 49 Jahre, aus Brokdorf

Mit viel Herz, einem offenen Ohr und einem starken Netzwerk unterstützt Dina Dittebrandt Menschen dort, wo der Alltag allein nicht mehr zu bewältigen ist.

Der Wind pfeift vom Deich herüber und trägt das Blöken der Schafe bis unter den mächtigen Kastanienbaum vor dem Pastorat. Kirche, Spielplatz und Elbdeich liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Genau in der Mitte treffen wir Dina Dittebrandt. „Mittendrin“ ist übrigens ein gutes Stichwort! Denn schnell wird klar: Ein freundliches „Moin“ hier, ein Winken dort – ganz Brokdorf kennt, schätzt und liebt seine Dorfkümmerin. Und Dina Dittebrandt kennt ihre Brokdorfer*innen.

Seit Juni 2021 ist die 49-Jährige in diesem besonderen Amt. Gebürtig stammt sie aus dem schleswig-holsteinischen Brande. Beruflich bedingt war der Lebensmittelpunkt ihrer vierköpfigen Familie allerdings viele Jahre in Süddeutschland. Als die Sehnsucht nach dem Norden zu groß wurde, zog sie 2015 zurück an die Küste. Dort arbeitete die gelernte Krankenpflegehelferin mit Zusatzqualifikation in der Palliativbegleitung zunächst in einem Pflegeheim und später in einem Hotel. Glücklich war sie dabei nicht. Das sollte sich ändern, als ihre Schwester ihr eine Stellenausschreibung zeigte und sagte: „Brokdorf sucht eine Dorfkümmerin. Das passt perfekt zu dir.“ Sie behielt recht. In den ersten Wochen ging Dina Dittebrandt von Tür zu Tür, stellte sich vor und lud das ganze Dorf zu einer Grillwurst ein. Lange dauerte es nicht, bis die ersten Anrufe kamen. Heute klingelt ihr Telefon täglich. „Meine Nummer gegen Kummer“, sagt sie lächelnd.

„Meine Nummer gegen Kummer.“

Was ihre Arbeit ausmacht, lässt sich kaum in einem Satz erklären. Sie begleitet ältere Menschen zu Arztterminen, hilft beim Ausfüllen von Formularen, unterstützt bei Anträgen auf einen Pflegegrad oder vermittelt die richtigen Ansprechpartner*innen. „Durchfragen ist eine meiner wichtigsten Aufgaben“, sagt sie. Oft geht es darum, Hürden aus dem Weg zu räumen, bevor sie zu Problemen werden. Besonders bewegt hat sie ihr erster Einsatz: Während der Coronapandemie kümmerte sie sich um eine ältere Frau im Krankenhaus. Hartnäckig telefonierte sie mit Ärzt*innen und Kliniken, bis die Patientin auf eine Palliativstation verlegt werden konnte – eine große Erleichterung für die Angehörigen. Doch Dina Dittebrandt kümmert sich nicht nur um Einzelne. Gemeinsam mit Vereinen organisiert sie Klönfrühstücke, Kreativangebote, Kochabende, die mobile Saftpresse „Juicers“ oder Dorfrallyes und bringt Menschen aller Generationen zusammen. „Im Grunde genommen geht es darum, Menschen aus der Einsamkeit zu holen“, sagt sie. Und ihr sei wichtig, dass grundsätzlich niemand verurteilt werde, jeder habe schließlich sein eigenes Päckchen zu tragen.

Wie wichtig dabei Mobilität ist, erlebt sie immer wieder. Wer auf dem Land lebt und im Alter nicht mehr selbst Auto fahren kann, ist auf Unterstützung angewiesen. Der Bus bringt ältere Menschen zwar zum Arztbesuch nach Glückstadt, doch mit Rollator oder Gehhilfe wird schon das Einsteigen zur Herausforderung. Dina Dittebrandt wünscht sich deshalb genau an diesem Punkt noch mehr Hilfsangebote, damit ältere Menschen möglichst lange selbstständig bleiben und am Dorfleben teilhaben können. Vielleicht ist genau das ihr wichtigster Beitrag für Brokdorf: Menschen miteinander zu verbinden. Denn manchmal reicht schon jemand, der zuhört, nachfragt und einfach da ist.