Einfach mal rübermachen:
Eine Wanderung nach Kollund

Schleswig-Holstein und Dänemark verbindet eine nicht ganz unkomplizierte Geschichte. Manch eine blutige Schlacht wurde einst im Grenzgebiet geschlagen. Heute steht diese Region für ein lebendiges Miteinander und Entdeckungsmöglichkeiten im Doppelpack – nämlich diesseits und jenseits der Grenze.

Auf unserer Wanderung von Wassersleben nach Kollund gehen wir ein Stück auf dem Gendarmstien. Hier haben die dänischen Grenzgendarmen einst nach Schmugglern Ausschau gehalten, die über den Wasserweg Waren am Zoll vorbei über die Grenze bringen wollten. Wir hingegen genießen heute ganz ohne schweres Gepäck die spektakulären Ausblicke auf die Flensburger Förde, durchstreifen die Schluchten im Kollunder Wald und machen hier und da Abstecher zu besonderen Stationen.

Übrigens:
Wer den Rückweg von Kollund nach Kupfermühle als Rundweg gehen möchte, sollte eine Karte oder eine Navigationsapp zur Hand haben. Schön ist es aber auch, den Hinweg einfach als Rückweg zu nutzen. Denn ein zweiter Blick lohnt sich auf jeden Fall!

Anfahrt:
Mit der Buslinie 1 vom Flensburger ZOB Richtung Krusau/DK in 15 Minuten bis zur Haltestelle
Wassersleben/Abzweiger Kupfermühle. Von dort geht’s per pedes weiter!

11.15 Uhr

Brücke zu den Nachbar*innen

Die kurze Holzbrücke über die Krusau zählt zu den kleinsten Grenzübergängen Europas. Nach der deutsch-dänischen Volksabstimmung 1920 wurde sie errichtet. Seinen Namen verdankt der Übergang dem ersten Haus auf dänischer Seite – einer kleinen Schusterkate. Der Blick über die Förde rüber zur Marineschule Mürwik ist fantastisch … und ab jetzt heißt es „mojn“ statt „moin“. Die Aussprache ist identisch. Wie praktisch!

Grenzübergang Schusterkate Auch wenn Kontrollen selten sind: Personalausweis nicht vergessen!

11.30 Uhr

Pausenplatz für Schaukelfans

Direkt hinter der Grenze beginnt der Kollunder Wald. Nach einigen Minuten biegen wir rechts in einen kleinen Weg ab. Er führt uns zu zwei Sheltern, einfachen Holzhütten, die bei Regen und Wind Schutz bieten. Der perfekte Platz, um unser Mini- Picknick auszupacken! Zur Ausstattung dieser Outdoor-„Hotels“ gehören auch ein Grillplatz und eine kleine Schaukel an einem der Bäume – Wasserblick inklusive!

Shelter im Kollunder Wald Für Übernachtungen können einige Shelter online vorgebucht werden: www.visitsonderjylland.de

12.15 Uhr

Herz-Kreislauf-Sport

Wir folgen dem Gendarmstien und merken schnell: Die dänischen Gendarmen müssen damals eine gute Kondition gehabt haben. Bei rund 59 Meter Höhendifferenz kommt unser Kreislauf gut in Gang! Wir stellen uns der Herausforderung, steigen steile Treppen hoch und passieren zugewachsene Schluchten auf kleinen Brücken.

Gendarmstien
Gesamtroute:
www.gendarmsti.dk

12.35 Uhr

Förde als Panoramakino

Am Ende des Waldes landen wir auf einem kleinen Platz. Eigentlich ist es nur ein Parkplatz an einer Mole. Früher haben hier die Butterschiffe festgemacht: grenzüberschreitende Fahrten mit dem Ziel, unterwegs zollfreie Waren zu kaufen. 1999 wurde diese Art der Fördeschifffahrt aber unterbunden. Heute scheint der Ort unspektakulär … Wäre da nicht dieser Ausblick! Wir stehen an der kleinen Steinmauer und gucken. Weit über die Förde, einmal von Flensburg bis Glücksburg und wieder zurück. Ein Panoramakino!

Kollund Mole
Öffentlicher Parkplatz

13.15 Uhr

Abstecher für Gourmets

Von Kollund Mole aus folgen wir dem Molevej bis zum großen Fjordvejen. Über einen hübschen Umweg am Strand entlang erreichen wir das Hotel & Restaurant Fakkelgaarden und wagen einen Blick auf die ausgehängte Karte: Menüs mit vier und mehr Gängen stehen hier neben „köstlichen Kleinigkeiten“, die jedoch auch im Preis dem Ruf des Hauses als Gourmetrestaurant gerecht werden. Wir beißen herzhaft in unsere Proviant-Stulle und merken uns den Fakkelgaarden für den nächsten besonderen Anlass.

Fakkelgaarden Fjordvejen
44, Kollund
www.fakkelgaarden.dk

Öffnungszeiten
Küche:
Di.–Sa. 12.00–13.30,
18.30–21.00 Uhr

13.40 Uhr

Minimalistisches Gotteshaus

Zurück auf dem Fjordvejen fällt uns auf der rechten Seite ein weißes Gebäude auf: Kollund Kirche. Zusammengesetzt aus klaren geometrischen Formen sieht sie ein bisschen aus wie aus einem Baukasten für Minimalisten. Leider ist die Tür geschlossen, aber wir recherchieren, dass der dänische Architekt Karsten Rønnow die Kirche 1971 entworfen hat.

Kollund Kirche
Kirkevænget 2, Kollund

Geöffnet ausschließlich zu den Gottesdiensten

13.50 Uhr

Dänische Designklassiker

Derart auf dänisches Design eingestimmt, machen wir einen Abstecher in die Welt des dänischen Möbeldesigns. Unser Ziel: Kollund Møbler – einer der größten Designmöbelläden in ganz Dänemark. Wir bummeln durch das rund 5.000 Quadratmeter große Einrichtungshaus und entdecken neben Lampen von Louis Poulsen noch so manchen weiteren dänischen Möbelklassiker.

Kollund Møbler Fjordvejen 15, Kollund
www.kollund.de

Öffnungszeiten:
Mo.–Fr. 10.00–17.30 Uhr
(außer dienstags),
Sa. 10.00–16.00 Uhr,
So. 11.00–16.00 Uhr

15.05 Uhr

Ein uraltes Wasserrad

Zurück durch den Kollunder Wald steuern wir das Industriemuseum Kupfermühle an. Hier erkunden wir das einstige Kupfer- und Messingwerk. Kernstück ist ein über 400 Jahre altes Wasserrad – Antrieb für ein Hammerwerk und bis heute voll funktionsfähig! Als die Krusau, die das Rad antreibt, 1920 streckenweise zum Grenzfluss erklärt wurde, gab es allerdings ein Problem: Der kleine Fluss verläuft mitten durchs Werk. Die spannende Geschichte dazu erzählt das Museum. Eins verraten wir aber schon jetzt: Kupfermühle liegt heute auf der deutschen Seite.

Industriemuseum Kupfermühle
Messinghof 3, Harrislee
www.industriemuseum-kupfermuehle.de

Öffnungszeiten:
Mai bis Okt.:
Mi.–So. 13.00–17.00 Uhr
Nov. bis April:
Sa./So. 13.00–17.00 Uhr

16.00 Uhr

Süßer Abschluss im Direktorenhaus

Der Ort Kupfermühle ist geprägt durch die gelben Häuser rund um das Museum. Sie gehören zu einer der ältesten historischen Arbeitersiedlungen Europas. Zielsicher steuern wir das Café LaFe im ehemaligen Direktorenhaus an. Jetzt muss es ein Kaffee mit einem Stück Trümmertorte sein. Oder doch lieber der Käsekuchen oder der Apfelkuchen oder …? Die Auswahl ist groß – unser Appetit auch! Wir bestellen, strecken die müden Beine aus und genießen die gemütliche Atmosphäre. Frisch gestärkt geht’s danach zurück zum Ausgangspunkt, der nur wenige hundert Meter entfernt liegt.

Café LaFe Zur Kupfermühle
17, Harrislee
www.cafelafe.de

Öffnungszeiten:
Mai bis Okt.:
Mi.–So. 13.00–17.00 Uhr
Nov. bis April:
Sa./So. 13.00–17.00 Uhr